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Inventur

Prozess zur Dokumentation und Aufnahme Ihrer Bestände und Vorräte im Unternehmen und deren Bewertung.

Inventur im System durchführen

Mit dem Inventurmodul führen Sie eine vollständige oder standortbezogene Bestandsaufnahme durch. Sie vergleichen den vom System berechneten Bestand (Soll) mit dem tatsächlich gezählten Bestand (Ist) und buchen Differenzen direkt auf das Produkt. Das Modul deckt die regelmäßige Stichtagsinventur, die fortlaufende Zählung bei laufendem Betrieb und die Erstinventur bei der Inbetriebnahme des Systems ab.

Inventurarten

Stichtagsinventur

Sie erfassen alle Bestände zu einem definierten Stichtag. In der Regel ist das das aktuelle Arbeitsdatum; Sie können den Stichtag aber manuell umstellen — auch in die Vergangenheit. Der Soll-Bestand wird immer zum gewählten Stichtag berechnet, die Differenzbuchung erfolgt zu diesem Datum, und alle später liegenden Warenbewegungen bauen auf diesem ( korrigierten) Bestand auf.

Mit der Rückdatierung bilden Sie eine verlegte Inventur gemäss HGB ab: Sie zählen am Stichtag und erfassen die Ergebnisse erst Tage später im System. Beachten Sie dabei zwei Punkte:

  • Die erfassten Ist-Mengen müssen dem Bestand zum gewählten Stichtag entsprechen. Haben Sie erst nach dem Stichtag gezählt und gab es zwischenzeitlich Warenbewegungen, rechnen Sie das Zählergebnis vor der Erfassung selbst auf den Stichtag zurück.

  • Eine Buchung in bereits abgeschlossene Buchhaltungsperioden ist nicht möglich.

Geeignet, wenn Sie zu einem festen Termin einen vollständigen, dokumentierten Bestandsschnitt benötigen — typischerweise zum Geschäftsjahresende.

verschobene Inventur

Sie zählen nicht an einem einzelnen Tag, sondern fortlaufend über mehrere Tage oder Wochen. Der Soll-Bestand wird für jede Position einzeln zum Zeitpunkt der tatsächlichen Erfassung berechnet — über den Zeitstempel der Eingabe im Client oder in der 2Go-App. Sie können also heute einen Teil des Sortiments zählen und morgen den nächsten, jeweils gegen den dann gültigen Systembestand. Zwischenzeitliche Wareneingänge und -ausgänge verfälschen das Ergebnis nicht, weil jede Zählung gegen das Soll ihres eigenen Erfassungszeitpunkts geprüft wird.

Voraussetzung für korrekte Ergebnisse ist, dass Warenbewegungen zeitnah gebucht werden. Liegt Ware physisch im Lager, deren Wareneingang noch nicht gebucht ist, entsteht eine scheinbare Differenz.

Geeignet, wenn der Betrieb während der Inventur weiterläuft und das Sortiment zu groß ist, um es an einem Tag zu zählen.

Erstinventur

Die einmalige Erfassung des Anfangsbestands bei der Inbetriebnahme des Systems. Sie legen die Erstinventur wie eine Stichtagsinventur an; den Ablauf beschreibt der Abschnitt Erstinventur durchführen.

Geeignet beim Systemstart oder bei der Übernahme von Beständen aus einem Altsystem.

Option: Blindinventur

Die Blindinventur ist eine Option, die Sie mit den Inventurarten kombinieren können: Die vom System berechneten Sollmengen werden für die Zählenden ausgeblendet. Das stellt sicher, dass die Zählung nicht durch den Systembestand beeinflusst wird — relevant etwa bei Revisionsanforderungen. Der Nachteil: Ohne Sollmenge als Plausibilitätsanker steigt die Wahrscheinlichkeit von Zählfehlern, insbesondere bei großen Sortimenten.

Option: Produkte ohne Bestand

Sie legen fest, ob die Inventur nur Produkte mit bereits gebuchtem Bestand umfasst oder auch Artikel ohne bisherigen Bestand einschließt. Letzteres ist vor allem für die Erstinventur relevant, damit alle angelegten Produkte in der Zählliste erscheinen.

Die Inventurarten und Optionen können über die Einstellungen vorbelegt werden.

Geltungsbereich: Standort und Lagerbereich

Eine Inventur wird immer für einen Standort durchgeführt. Unterhalb des Standorts können Sie die Inventur zusätzlich auf einen Lagerbereich einschränken. Voraussetzung dafür ist, dass Ihre Produkte Lagerplätzen zugeordnet sind und diese Lagerplätze zu einem Lagerbereich organisiert wurden.

Jede Inventur erhält automatisch eine eindeutige Inventur-ID. Darüber können Sie nachvollziehen,

  • an welchem Tag die Inventur durchgeführt wurde,

  • welche Bestände erfasst wurden,

  • und welcher Status aktuell gilt.

Inventurübersicht

Nach dem Aufruf des Menüpunkts Inventur sehen Sie eine Übersicht aller angelegten Inventuren. Jede Inventur besitzt einen der folgenden Status:

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  • In Vorbereitung: Inventur ist angelegt, aber noch nicht gestartet.

  • Begonnen: Inventur befindet sich in Bearbeitung.

  • Durchgeführt: Inventur ist abgeschlossen.

  • Abgebrochen: Inventur wurde vorzeitig beendet.

Legen Sie zu Beginn den Inventurzeitraum fest, um eine transparente und nachvollziehbare Dokumentation sicherzustellen.

Inventur anlegen und durchführen

  1. Wählen Sie Anlegen, um eine neue Inventur zu starten, oder Bearbeiten, um eine bestehende bzw. bereits begonnene Inventur fortzusetzen. Es öffnet sich die Detailansicht der Inventur.

  2. Stellen Sie für die Inventurdokumente ein Belegdatum und ein Plandatum ein.

  3. Geben Sie den Standort an und schränken Sie bei Bedarf auf einen Lagerbereich ein.

  4. Der Status wird automatisch gesetzt, je nachdem, wie weit Ihre Inventur fortgeschritten ist.

  5. Klicken Sie auf Inventur beginnen, um mit der Erfassung Ihrer Bestände anzufangen.

Alle Bestände, die Scopevisio rechnet, werden im Feld Soll-Bestand ausgewiesen. Das Ergebnis Ihrer Zählung erfassen Sie im Feld Ist-Bestand.

Differenzen zwischen Soll- und Ist-Bestand werden mit der Buchung der Inventur direkt auf das Produkt gebucht und zum Bestandspreis bewertet.

Diese Buchung kann organisatorisch von einer anderen Person oder Abteilung durchgeführt werden als die Zählung — etwa zur Trennung von Erfassung und Buchung.

Einträge hinzufügen

Über die Aktion Einträge hinzufügen fügen Sie der Inventur einzelne Zeilen hinzu. Das ist erforderlich, wenn bei der Zählung ein Produkt gefunden wird, das bisher nicht über eine Bestellung mit zugehörigem Wareneingang im Bestand geführt wurde.

Export und externe Erfassung

Sie können die Inventur als CSV-Datei exportieren, die Ist-Bestände in Excel erfassen und die Ergebnisse anschließend in die Inventur übernehmen. So arbeiten Zählteams ohne Systemzugang mit, und Sie stellen sicher, dass überall konsistente Daten gelesen und geschrieben werden.

Bewertung

Jedes Produkt führt einen Bestandspreis entsprechend der am Produkt hinterlegten Bewertungsmethode, der eingehenden Warenbewegungen oder eines Eintrags im Produktlieferanten. Für die Bewertung von Inventurdifferenzen gilt immer der Bestandspreis nach der hinterlegten Bewertungsmethode.

Bei rückdatierten Inventurbuchungen wird der gleitende Durchschnittspreis nicht rückwirkend neu berechnet. Das System führt parallel einen Durchschnittspreis, der die Auswirkungen nachträglicher Korrekturen minimiert; beide Werte können dadurch voneinander abweichen. Maßgeblich für die Bewertung bleibt in jedem Fall die hinterlegte Bewertungsmethode.

Nur bei der Erstinventur kann der Bestandspreis ausnahmsweise manuell gesetzt werden.

Erstinventur durchführen

Die erste Inventur in Scopevisio legen Sie genauso an wie eine Stichtagsinventur. Der Unterschied: Im Regelfall sind alle erforderlichen Produkte bereits angelegt, weisen aber den Bestand 0 aus.

Aktivieren Sie die Option Produkte ohne Bestand anzeigen, damit alle Produkte aus der Produktübersicht in die Inventur aufgenommen werden. Organisatorisch bietet es sich an, diese Zeilen zu exportieren und die Aufnahme der Bestände in Excel nachzubilden — inklusive des Bestandspreises, zu dem bewertet werden soll.

Der Bestandspreis für die Erstinventur eines Produkts kann auf zwei Wegen gesetzt werden:

  • über den Eintrag im Produktlieferanten, oder

  • direkt mit der Buchung der Inventur.

Inventur mit Scopevisio 2Go

Mit der mobilen App Scopevisio 2Go erfassen Sie die tatsächlich vorhandenen Produkte und Mengen direkt am Lagerplatz. Dafür legen Sie die Inventur im Client an und starten sie; anschließend erscheint die Inventur unter ihrer Ordnungsnummer in der App.

In der App zählen und speichern Sie Mengen wie im Client — zusätzlich mit der Möglichkeit, Produkte per Barcode-Scan eindeutig zu identifizieren: über die Kamera eines Mobiltelefons oder Tablets oder über den Laserscanner eines MDE-Geräts. Zählende benötigen damit keine Produktkenntnisse, um ein Produkt vom anderen zu unterscheiden. Die direkte Erfassung im System verhindert unvollständige oder verlorene Zähllisten auf Papier. Jede Erfassung erhält einen Zeitstempel — bei der fortlaufenden Erfassung ist das die Grundlage für den korrekten Soll-Ist-Vergleich.

Anwendungsfälle

Jahresinventur zum Geschäftsjahresende. Sie zählen am 31.12. den gesamten Bestand eines Standorts. Die Erfassung im System erfolgt erst in der ersten Januarwoche: Sie legen eine Stichtagsinventur an, stellen den Stichtag auf den 31.12. zurück und erfassen die Zählergebnisse. Soll-Berechnung und Differenzbuchung beziehen sich auf den 31.12.; die Wareneingänge aus dem Januar bauen sauber auf dem korrigierten Bestand auf.

Inventur bei laufendem Betrieb. Ihr Lager hat mehrere tausend Produkte, und der Versand kann nicht für eine Komplettzählung pausieren. Sie nutzen die verschobene Erfassung: Das Zählteam arbeitet sich über zwei Wochen lagerbereichsweise durch das Sortiment, erfasst mit der 2Go-App per Barcode-Scan, und jede Position wird gegen den Soll-Bestand ihres Erfassungszeitpunkts geprüft. Wareneingänge und Lieferungen laufen währenddessen normal weiter.

Systemstart mit Bestandsübernahme. Sie nehmen Scopevisio in Betrieb; die Produkte sind angelegt, alle Bestände stehen auf 0. Sie legen eine Erstinventur mit der Option Produkte ohne Bestand anzeigen an, exportieren die Zählliste als CSV, erfassen Bestände und Bestandspreise aus dem Altsystem in Excel und übernehmen die Werte. Die Bestandspreise setzen Sie ausnahmsweise manuell oder über den Produktlieferanten.

Teilinventur nach auffälligen Differenzen. In einem Lagerbereich häufen sich Fehlbestände bei Kommissionierungen. Sie legen eine Inventur für den Standort an, schränken auf den betroffenen Lagerbereich ein und zählen nur diesen Ausschnitt — ohne den restlichen Standort anzufassen.

Unbeeinflusste Zählung für die Revision. Ihre Revision verlangt, dass Zählende den Systembestand nicht kennen. Sie aktivieren die Blindinventur: Die Sollmengen sind in der Zählliste und in der App ausgeblendet. Zusätzlich trennen Sie organisatorisch Zählung und Buchung — eine Person zählt, eine andere prüft die Differenzen und bucht.

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